Der Mensch ist ein reichhaltiges Wesen. Es
ist nicht möglich sich diesem Reichtum auf eine
rein rationale Weise anzunähern, weil das nur
eine einzelne Facette berücksichtigen würde.
Diese Facette ist nicht wichtiger oder unwichtiger
als andere, aber sie ist eben nur eine von fünf,
die den Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft
und Äther und den Zahlen 1/9, 2/8, 3/7, 4/6
und 5/10 zugeordnet werden können. Der rational
strukturierende Aspekt ist dem Element Feuer
und dem Zahlenpaar 3/7 zugeordnete. Diese Einteilung
in Zahlen mag einigen fremdartig vorkommen,
aber Zahlen sind eine gute Möglichkeit, die
Zusammenhänge in der Welt verständlicher zu
machen.
Die Lehre, von diesen Zusammenhängen nennt
sich Karam Kriya. Sie wurde von Shiv Charan
Singh wiederentdeckt, einem spirituellen Lehrer,
der in London eine Schule für angewandte Nummerologie
betreibt und regelmäßig Wochenendseminare in
Deutschland unterrichtet. Shiv Charan Singh
ist ein Schüler von Yogi Bhajan, der vor 30
Jahren aus Indien in den Westen kam, um Kundalini
Yoga zu unterrichtet. Inzwischen praktizieren
Weltweit über 1.000.000 Menschen diese Form
des Yogas, die einen besonders hohen Stellenwert
auf die Bewußtseinsbildung der Übenden legt.
Zahlen spielen beim Kundalini Yoga vordergründig
keine Rolle, aber sie können die Struktur beschreiben,
die der Wirkung der einzelnen Übungen und Übungsreihen
zugrunde liegt. So wird die 3 - übrigens genauso
wie in der klassischen chinesischen Energiemedizin
- mit dem Dünndarm in Verbindung gebracht und
die 7 mit dem Herz. Die physiologische Aufgabe
des Dünndarms ist das analysieren und aussondern
der aufgenommenen Nahrung - womit wir wieder
bei der Aufgabe des rationalen Geistes sind.
Verständnis- und Orientierungslosigkeit können
Schwierigkeiten im Darmbereich auslösen. Durchfall
kann sowohl körperlich als auch Geistig eine
Reaktion auf Überforderung sein. Das Herz wiederum
ist das einzige Organ, daß ein eigenes Nervensystem
besitzt und deshalb ohne die Steuerung des Gehirns
seine Aufgaben erledigt. Das gibt ihm vielleicht
die Illusion, unabhängig zu sein, genauso wie
es uns unser rationaler Geist oft weismachen
will. In Wirklichkeit kann das Herz ohne die
restlichen Organe nicht existieren, genauso
wie unser rationales Selbst auf die Unterstützung
unserer Seele (1/9), unserer Instinkte (2/8),
unserer Intuition (4/6) und den Kontakt zwischen
allen vier (5/10) angewiesen ist.
Das Herz ist gleichzeitig der Ort, an dem Erinnerungen
und damit verbundene Gefühle gespeichert sind.
Schöne Erinnerungen lassen ein leicht ums Herz
werden, belastende Erinnerungen erzeugen einen
Druck im Brustbereich. Unserer rationaler Geist
kann in seiner Bewertung auch nur auf vergangene
Erfahrungen zurückgreifen. Alle unsere Verhaltensweisen
und Zukunftsvorstellungen bleiben auf eine Wiederholung
der Vergangenheit beschränkt, wenn wir nur diese
eine Ebene unseres Selbst zulassen. Mit Yogaübungen
können wir an den entsprechenden Körperteilen
arbeiten, und dadurch eine Veränderung und Verbesserung
im psychischen Bereich bewirken. Dies geschieht
über Übungen die die Organe direkt stimulieren
und über Übungen die sie indirekt ansprechen
- z.B. über die den Organen zugeordneten Testmuskeln
(für das Herz wäre das der Unterschulterblattmuskel),
Meridiane (feinstoffliche Energiekanäle) und
inneren Drüsen. Die Kombination der einzelnen
körperlichen und psychischen Ebenen, die mit
Hilfe der angewandten Nummerologie verständlicher
werden können, erklärt die oft verblüffende
Wirkung der Yoga-Übungsreihen, wie sie beim
Kundalini Yoga praktiziert werden. Eine der
vier möglichen nummerologischen Reisen beginnt
beim rationalen Selbst und geht dann weiter
zur Seele, zur Intuition, zu den Instinkten
und endet schließlich am gemeinsamen Schnittpunkt
der einzelnen Ebenen. Wir werden diese Reise
jetzt etwas ausführlicher verfolgen, und die
jeweiligen Organe benennen, die durch Yogaübungen
angesprochen werden können. Wenn wir beim Dünndarm
und Herz beginnen, dann steht am Anfang die
Vorstellung(3) die wir uns von einer Sache machen
und die Vision(7), die wir damit verbinden.
Dem folgt die Suche nach unseren Möglichkeiten
und Ressourcen. Wir erkunden unseren eigenen
tieferen Ursprung(1=Magen) und unseren kollektiven
Ursprung(9=Milz, Knochen). Dieser Kontakt zu
unseren Wurzeln ist notwendig, um uns nicht
in idealistischen Träumereien zu verstricken.
Danach fangen wir an zu erkennen, welche Konsequenzen
unsere Handlung haben kann und wofür wir Verantwortung(4=Dickdarm)
übernehmen müssen. Das Konfrontiert uns mit
unseren Ängsten und unser Unsicherheit(6=Lungen).
Dadurch erkennen wir wo wir gerade im Leben
stehen. Unsere wirklichen Bedürfnisse(2=Blase)
kommen ans Licht. Wir werden ausgebremst und
verlieren unsere Vision vielleicht völlig aus
den Augen. Um unsere Bedürfnisse befriedigen
zu können, nehmen wir Kontakt auf mit unserer
eigenen ursprünglichen Energie(8=Nieren). Unsere
Vorstellung und Vision mit der wir die Reise
begonnen haben ist nun gereinigt von allem Ballast.
Egal ob wir sie vollständig oder überhaupt nicht
umgesetzt haben(10=Galle), wir sind auf jeden
Fall um eine Erkenntnis(5=Leber) reicher.
Ich hoffe ihnen hat die kleine Reise durch
die Welt der Zahlen gefallen, und einen kleinen
Vorgeschmack gegeben, was Karam Kriya bedeuten
kann, und wie die hohe Kunst des Yoga dadurch
etwas verständlicher wird. Die Übungen wirken
auch ohne das Bewußtsein über Zahlen. Nummerologie
ist nur ein Hilfsmittel, das unseren Dominanz
gewöhnten rationalen Geist beruhigen kann und
zurücktreten läßt um seine Brüder und Schwestern
auch mal zum Zuge kommen zu lassen.